Das transformative Potential spekulativer Fiktion
... aus einer Schwarzen, queeren (meiner!) Perspektive
Essay
Bücher & Horror
Im Rahmen des Literaturfestivals „Beyond Borders: Love & Literature“ im August 2026, einem Literaturfestival zu Genreliteratur mit einem besonderen Fokus auf spekulativer Fiktion in Hamburg, durfte ich die Eröffnungsrede halten. Diese Rede veröffentliche ich hier in gekürzter Form.
Vieles an den Nachrichten und der derzeitigen Weltlage, lässt mich an meinem Glauben an Gerechtigkeit zweifeln und gibt meiner Hoffnung auf eine andere Welt einen Dämpfer. Doch es sind vor allem Bücher, die diese wiederherstellen. Deshalb möchte ich der Frage auf den Grund gehen, wie spekulative Fiktion uns dabei helfen kann, eine neue Idee von Gerechtigkeit zu entwickeln.
Gerechtigkeit ist ein sehr großer Begriff. Wie bei allen großen Ideen gibt es verschiedene Arten wie Gerechtigkeit konzipiert wird. Das Gerechtigkeitsprinzip, dass durch die meisten Staaten inklusive Deutschland, insbesondere innerhalb des Strafrechts- und Gefängnissystems, verfolgt wird, ist das Konzept der punitiven Gerechtigkeit: wer gegen Regeln verstößt, wird für diesen Verstoß bestraft. Im Jurastudium habe ich gelernt, genau abzugrenzen, wie verschiedene Straftaten definiert werden. Für den Diebstahl zum Beispiel braucht es eine Sache, die fremd ist und die einem anderen vorsätzlich weggenommen wird.[1] Für jedes dieser Wörter kann man theoretisch jeweils zwei Seiten schreiben, wann das gegeben ist und wann nicht. Daran schließt sich dann noch die Frage an, ob der Diebstahl irgendwie gerechtfertigt sein kann und ob die Person überhaupt schuldhaft gehandelt hat. Welche Aspekte in diese Abwägung miteinbezogen werden, sind klar vorgeschrieben. Strafmildernd, aber nicht zwingen strafbefreiend kann sich auswirken, ob die Person geklaut hat, weil sie Hunger hatte und oder kein Geld hatte. Spätestens bei Widerholungstaten wird diese Abwägung jedoch immer weniger relevant und grundsätzlich gilt, dass Verbote zu brechen nicht der gesellschaftlich anerkannte Weg ist, um sich aus derartigen Problemlagen zu befreien.
Wenn also geklärt ist, dass eine Person einer anderen eine Fremde Sache vorsätzlich weggenommen hat, wird die Person verurteilt. Die Strafe soll einerseits, die Person disziplinieren, dass sie nicht nochmal gegen Regeln verstößt und gleichzeitig auch uns als Gesellschaft, indem wir lernen (sollen), was passiert, wenn wir Regeln brechen. Die Frage, ob diese Ziele durch eine Geld- oder Haftstrafe tatsächlich erreicht werden, haben wir uns im Studium nicht gestellt. Die Frage, ob es Sinn macht, Menschen, die geklaut haben, weil sie sie in Armut leben, mit einer Geldstrafe zu belegen, kam genauso wenig auf, wie zum Beispiel racial profiling und die historische Kriminalisierung von Armut zur Schaffung billiger oder gar kostenloser Arbeitskräfte. Trotzdem wurde mir dieses System als gerecht verkauft.
Wenn eine Person bestraft wurde, behaupten wir Gerechtigkeit wurde hergestellt. Bei gegen andere Personen gerichteten Straftaten, muss die verurteilte gewaltausübende Person eine Geldstrafe bezahlen oder ist im Zweifel im Gefängnis und die gewaltbetroffene Person darf in der Theorie ihr Leben so weiterführen wie bisher. Aber ist das Gerechtigkeit? Wäre es für Gerechtigkeit nicht auch wichtig zu fragen wie es zu der Gewalt kam? Was wir als Gemeinschaft tun können, dass so eine Gewalt nicht mehr/ nicht nochmal passiert? Und was die gewaltbetroffene Person jenseits von maximal 30 Urlaubstagen und Krankschreibungen wirklich braucht, um Heilung zu erfahren?
Wenn punitive Gerechtigkeit das ist, was eine Gesellschaft als Gerechtigkeit für sich definiert, wirkt sich das nicht nur auf unser Strafrechtssystem aus, sondern zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft. Sie reproduziert sich auch auf allen anderen gesellschaftlichen Ebenen.
In seinem dystopischen Roman „Chain-Gang All-Stars“, der sich mit dem gefängnisindustriellen Komplex und der Ausbeutung insbesondere Schwarzer und armer Körper auseinandersetzt, schreibt der afroamerikanische Autor Nana Kwame Adjei-Brenyah:
“The carceral state depends on a dichotomy between innocent and guilty, or good and bad, so that they can then define harm on their terms, in the name of justice, and administer it on a massive scale to support a capitalistic, violent, and inherently inequitable system.”[2]
[Dt.: “Der strafende Staat stützt sich auf eine Dichotomie zwischen Unschuldigen und Schuldigen bzw. Guten und Bösen, um im Namen der Gerechtigkeit Schaden nach seinen eigenen Maßstäben zu definieren und diesen in großem Umfang zu verhängen, um ein kapitalistisches, gewalttätiges und von Natur aus ungerechtes System zu stützen.“ Übers. d. Verf.]
Wenn punitive Gerechtigkeit das ist, was eine Gesellschaft als Gerechtigkeit für sich definiert, wirkt sich das nicht nur auf unser Strafrechtssystem aus, sondern zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft. Sie reproduziert sich auch auf allen anderen gesellschaftlichen Ebenen. Im Umgang mit Behörden, bei der Arbeit, in der Schule und nicht zuletzt in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Da für diese Form der Gerechtigkeit sehr klar definiert werden muss, was die Regeln sind und was Verstöße bedeutet dies, dass auch sonstige gesellschaftliche Normen und ihre Einhaltung punitiv überwacht werden. Für uns heißt das, dass auch jedes Abweichen von Geschlechterrollen, von Verhaltensnormen, jedes Abweichen von dem, was dominant als „Normal“ definiert wird, bestraft wird, sodass automatisch trans Personen, people of color, Menschen mit Be_hinderung, die ersten sind, die dieses System zu spüren bekommen und für ihre „Abweichung“ kriminalisiert und bestraft werden. Punitive Gerechtigkeit führt so zur Machterhaltung der dominanten Kräfte durch die Unterdrückung und Bestrafung der marginalisierten.
In „The Obelisk Gate“, dem zweiten Teil ihrer grandiosen Broken Earth Trilogy lässt NK Jemisin ihre Hauptperson folgende Worte sprechen:
„No part of this comm gets to decide that any part of this comm is expendable. No voting on who gets to be people.”[3]
[Dt.: „Kein Teil dieser Gemeinschaft entscheidet darüber, ob ein anderer Teil dieser Gemeinschaft entbehrlich ist. Keine Abstimmungen darüber, wer ein Mensch sein darf.“ Übers. d. Verf.]
Dieser Worte werden in einem Kontext geäußert, in dem eine Gemeinschaft angegriffen wird und vor der Frage steht, entweder gemeinsam gegen den Feind zu kämpfen oder eine bestimmte Gruppe von Menschen aus ihrer Mitte, den Angreifer*innen auszuliefern und, so zu versuchen, die eigene Haut der anderen (Mehrheit) zu retten.
Im Kontext von Überlegungen zu Gerechtigkeit finde ich diesen Satz besonders prägnant, da er unterstreicht, dass es bei Unterdrückung und struktureller Gewalt nicht nur um individuelle Erfahrungen geht, sondern darum anhand von Normen zu entscheiden, wer als Mensch konstruiert wir und daher Schutz verdient hat und wer nicht als Mensch konsturiert wird und daher keinen Schutz verdient.
Für wahre Gerechtigkeit müssen wir nicht einzelne Menschen bestrafen, sondern eine Welt erschaffen, in der Gewalt nicht mehr vorkommt und in der wir, wenn sie vorkommt, eine gemeinschaftliche Antwort finden.
Marginalisierte Communities, die dauerhaft von Unterdrückung und Auslöschung betroffen sind, wissen, dass auf keine einzige Person verzichtet werden kann.
Er ist aber auch deshalb interessant, weil er sich darauf bezieht, dass gerade marginalisierte Communities Wissen, dass niemand aus ihren Reihen entbehrlich ist. Marginalisierte Communities, die dauerhaft von Unterdrückung und Auslöschung betroffen sind, wissen, dass auf keine einzige Person verzichtet werden kann. Schon allein deshalb muss ein Gerechtigkeitsbegriff aus marginalisierter Perspektive andere Wege des Umgangs mit Gewalt finden, als Menschen einfach grundsätzlich auszuschließen.
In Octavia Butlers Dystopie „Parable Of the Sower“ ist der folgende Spruch zentral:
“All that you touch
You change
All that you change
Changes you.
The only lasting truth
Is change.
God is change.”[4]
[Dt.: Alles, was du berührst,
veränderst du.
Alles, was du veränderst,
verändert dich.
Die einzig überdauernde Wahrheit
ist Veränderung.
Gott ist Veränderung.
Übersetzung d. Falk in Octavia E. Butler, Die Parabel vom Sämann, Heyne 2023]
Um ein anderes Verständnis von und eine neue Praxis der Gerechtigkeit zu entwickeln, müssen wir die Strukturen um uns herum und damit eigentlich die ganze Welt um uns herum verändern. Damit dies passieren kann, müssen verschiedene Fragen beantwortet werden:
Wohin wollen wir uns verändern?
Was machen wir mit all der Gewalt und dem Schmerz, der sich in unsere Körper eingeschrieben hat und wie können wir Heilung erfahren?
Beides sind sehr große Fragen, die mich zum Hauptpunkt für diese Überlegungen bringt:
das transformative Potential spekulativer Fiktion.
Unterdrückungserfahrungen und Machtverhältnisse sind immer gewaltvoll und das für uns alle. Unmittelbar betreffen sie insbesondere die Menschen, die durch sie unterdrückt und ausgeschlossen werden, aber eine gewaltvolle Gesellschaft schadet uns allen.
Um zu erklären, was ich damit meine möchte ich mich zunächst auf die zweite der gerade genannten Fragen beziehen:
Was machen wir mit all der Gewalt und dem Schmerz, der sich in unsere Körper eingeschrieben hat und wie können wir Heilung erfahren?
Unterdrückungserfahrungen und Machtverhältnisse sind immer gewaltvoll und das für uns alle. Unmittelbar betreffen sie insbesondere die Menschen, die durch sie unterdrückt und ausgeschlossen werden, aber eine gewaltvolle Gesellschaft schadet uns allen. Damit wir neue Wege finden können, zusammenzukommen und über Gerechtigkeit zu sprechen, braucht es deshalb meiner Meinung nach Heilung für uns alle.
Im ersten Teil von N.K. Jemisin’s Broken Earth Trilogy, „The Fifth Season“ äußert eine der Figuren, dass sie die ganze Welt in Stücke reißen wird, wenn die machthabende Klasse ihr und ihrer Familie noch einmal wehtun würde. Die Protagonistin der Geschichte kann diese Aussage nachfühlen, doch denkt auch daran, dass auch das nichts daran ändern würde, dass sie und ihre Familie trotzdem verletzt wurden und Schmerzen erlitten haben.[5]
N.K. Jemisins Buchreihe ist eine unglaublich spannende Geschichte, die mich viel über die Frage nachdenken lässt, was es kostet, frei zu sein und wie Trauma unsere Fähigkeit zu leben und zu lieben beeinflusst. Diese Szene finde ich deshalb so beeindruckend, weil sie darauf eingeht, dass Menschen, die unterdrückt werden, sehr viel Wut in sich tragen, die sich ab einem bestimmten Punkt auch in Gewalt äußert und andererseits betont, dass ein solcher Rückschlag an sich trotzdem nicht zwingend Heilung bedeutet.
Im Dominanzdiskurs wird oft besonders hervorgehoben, dass Gewalt nur mehr Gewalt produziert. Aus dieser Perspektive wird dann oft nicht die ursprüngliche strukturelle Gewalt kritisiert, sondern die Gegengewalt der Unterdrückten. Damit einher geht eine Glorifizierung gewaltlosen Widerstands.
Als mehrfachmarginalisierte Person habe ich große Schwierigkeiten mit dieser Argumentation und auch als bekennender Horrorfan, komme ich zu einem anderen Analyseergebnis. Horrorfilme sind sehr unterschiedlich und lösen unterschiedliche Gefühle in mir aus, aber ich habe noch nie 75 Minuten dabei zugeguckt, wie eine Person z.B. von einer maskierten Person mit Hackebeil in der Hand gejagt wird und dann gedacht: „Mensch, darauf sollte die Person doch jetzt bitte gewaltfrei reagieren.“ Ich weiß dieses Beispiel ist unterkomplex für Kontexte struktureller, historischer Unterdrückung und trotzdem bleibeich dabei. Und dennoch ist es wichtig, wie N.K. Jemisin schreibt, in Erinnerung zu behalten, dass durch den widerständigen Akt nicht der Schmerz und die Verletzung beseitigt wurde.
Horror kann fragen: wer genau ist hier eigentlich das Monster?
Aus meiner Perspektive eignet sich das Horrorgenre in besonderem Maße, auf kunstvolle Art und Weise Gefühlen von Wut und einem Bedürfnis nach Vergeltung oder Rache, Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig einen Raum für Heilung anzubieten. Horror bietet einen Raum, in dem das Grauen, das struktureller Unterdrückung inhärent ist, sichtbar gemacht, und in dem dieser Gewalt mit entsprechender Härte begegnet werden kann, ohne dass diese Gewalt tatsächlich in der Realität stattfinden muss.
Insbesondere aus marginalisierter Perspektive kann dabei schon ein Transformationsprozess stattfinden, da Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt werden können und die erlebte Gewalt oft nicht einfach nur reproduziert wird, sondern so dargestellt werden kann, dass der erlittene im Zweifel über mehrere Generation wirkende Schmerz anerkennt wird. Ein Beispiel, das ich dabei besonders hervorheben möchte ist der unter Regie von Nia DaCosta 2021 veröffentlichte Film Candyman, in dem die Frage nach Schmerz, Vergeltung und Gerechtigkeit gestellt wird, wenn Candyman sagt:
“I am the writing on the walls. I am the sweet smell of blood on the street. The buzz that echoes in the alleyways. They will say I shed innocent blood. You are far from innocent, but they will say you were. That's all that matters.[6]“
[Dt.: „Ich bin die Inschrift an den Wänden. Ich bin der süße Geruch von Blut auf der Straße. Das Summen, das in den Gassen hallt. Sie werden sagen, ich habe unschuldiges Blut vergossen. Du bist weit davon entfernt unschuldig zu sein, aber sie werden sagen, du warst es. Das ist alles, was zählt.” Übers. d. Verf.]
Der Film beschäftigt sich mit Gewalt vor allem gegen Schwarze Männer, die aber, um eine gewisse Distanz auch für ein Schwarzes Publikum herzustellen, in Form von Schattenspielen dargestellt wird, statt sie mit echten Menschen im Detail zu zeigen. So kann die Schwere und Systematik der Gewalt gezeigt werden, ohne dass Zuschauende sie direkt sehen müssen und retraumatisiert werden.
So schafft es der Film einen Raum, Gewalt zu benennen und die Frage in den Raum zu stellen, wie Gerechtigkeit in einem historischen Kontext voller struktureller Gewalt und Unterdrückung aussehen kann.
Stephen Graham Jones, ein Native American Horrorautor schreibt in seinem Essay aus der Anthologie „Why I love Horror“ herausgegeben von in Becky Siegel Spratford:
“(…)I don’t write horror for the darkness. I write it for the good moments – for the heart, for the hope, for the chance of winning, no matter how distant and unlikely, no matter the cost.”[7]
[Dt.: „Ich schreibe Horror nicht wegen der Dunkelheit. Ich schreibe ihn wegen der schönen Momente – wegen des Herzens, wegen der Hoffnung, wegen der Chance auf den Sieg, egal wie fern und unwahrscheinlich sie auch sein mag, egal, was er kosten mag.“ Übers.d. Verf.]
Dieser Moment der Heilung ist jedoch wie bereits beschrieben nicht nur für marginalisierte Personen notwendig. Auch privilegierten Personen kann das Horrorgenre das Ausmaß der Gewalt drastisch vor Augen führen und einen Spiegel vorhalten, was die Gewalt, die unsere Gesellschaft durchzieht mit uns allen macht. Horror kann fragen: wer genau ist hier eigentlich das Monster?
Und dann am Ende, wenn all das Blut vergossen, das Monster besiegt oder gerettet wurde, können wir endlich die Frage stellen wo wir eigentlich hinwollen?
Wir wissen vielleicht, welche Vorstellung von Gerechtigkeit wir ablehnen, dann brauchen wir jedoch eine Alternative, ein anderes Konzept von Gerechtigkeit, das wir ansteuern können.
N.K. Jemisin schreibt in ihrem Essay: Dreaming Awake
Myths tell us what those like us have done, can do, should do. Without myths to lead the way, we hesitate to leap forward. Listen to the wrong myths, and we might even go back a few steps.[8]
[Dt.: „Mythen erzählen und, was Menschen wie wir getan haben, tun können, tun sollten. Ohne Mythen, die uns den Weg weisen, zögern wir einen Sprung vorwärts zu wagen. Hören wir auf die falschen Mythen, gehen wir möglicherweise sogar ein paar Schritte zurück.“ Übers. d. Verf.]
Geschichten sind wichtig dafür, was wir über die Vergangenheit wissen und was wir uns für die Zukunft vorstellen können. Bei der Frage des „Wohin wollen wir eigentlich“ ist daher gerade die spekulative Fiktion die anders an die Grenzen dessen was wir Wissen und wissenschaftlich feststellen können, gebunden ist, in besonderem Maße geeignet alternative Welten zu schaffen. Spekulative Fiktion ist der Raum, in dem gefragt und erforscht werden kann: Was wäre wenn?
Was wäre wenn, Ressourcen nicht danach verteilt werden würde, wer das meiste Geld hat, sondern danach, wer sie am meisten braucht?
Was wäre, wenn wir keine Ländergrenzen mehr hätten?
Was wäre, wenn wir den Wert eines Menschen nicht an seiner Leistungsfähigkeit festmachen würden?
Was wäre, wenn wir Geschlecht als soziales Konstrukt abschaffen würden?
Was wäre, wenn wir unser Zusammenleben anders organisieren und dabei den Fokus auf Fürsorge und Verantwortung legen würden?
Wie könnte Gerechtigkeit für uns alle aussehen?
Mit diesen offenen Fragen, möchte ich zum Ende meiner Überlegungen kommen. Das wesentliche, was hoffentlich deutlich geworden ist, ist zum einen, dass ich ein N. K. Jemisin Fangirl und neidisch auf jede Person bin, die die Broken Earth Trilogy noch zum ersten Mal lesen kann. Vor allem der erste Teil ist meiner Meinung nach, das beste Buch, das je geschrieben wurde.[9]
Das zweite – vielleicht etwas wichtigere – ist, dass immer dann, wenn wir uns der spekulativen Fiktion insbesondere von marginalisierten Autor:innen zuwenden, auch die Fragen im Raum stehen, wie wir leben wollen, wie wir unsere Gesellschaft organisieren wollen und was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet. Und in meinen Augen ist, sich diesen Fragen zu stellen und sie gemeinsam zu diskutieren, ein revolutionärer Akt.
[1] § 242 StGB.
[2] Nana Kwame Adjei-Brenyah, Chain-Gang All-Stars, Vintage Penguin Random House, 2024 (S. 247).
[3] N.K. Jemisin, The Obelisk Gate, Orbit Books, 2016 (S. 335).
[4] Octavia Butler, Parable Of the Sower, Headline Publishing Group, 2019 (S. 3).
[5] N.K. Jemisin, The Fifth Season, Orbit Books 2015 (S. 419).
[6] Candyman, Nia DaCosta, Monkeypaw Productions, USA, 2021.
[7] Stephen Graham Jones, Why Horror in Becky Siegel Spratford (ed.), Why I love Horror, Saga Press, 2025 (S. 237).
[8] https://nkjemisin.com/2012/02/dreaming-awake/ (Zuletzt abgerufen: 07.09.2026)
[9] That’s a hill I am willing to die on!